Neuerwerbungen für das Melanchthonhaus

Zwei Kupferstiche von Albrecht Dürer
Darstellungen von Friedrich III, der Weise, Kurfürst von Sachsen und Kardinal Albrecht von Brandenburg



BU.: Friedrich III. von Sachsen (gen. der Weise)
Albrecht Dürer, 1524
Kupferstich



Albrecht von Brandenburg (sog. "Der große Kardinal")
Albrecht Dürer, 1523
Kupferstich

 

Zwei Repräsentanten der Reformationsgeschichte ergänzen das Melanchthon-Porträt zu einer Trilogie

Eine reformationsgeschichtliche Trilogie mit Werken Albrecht Dürers (1471-1528) bildet nun eine Folge von drei Kupferstichen des berühmten Nürnberger Meisters im Melanchthonhaus Bretten.

Eines der herausragenden Werke im Bestand der Forschungseinrichtung zur Erinnerung an den Reformator und Humanisten , das Kupferstichporträt Philipp Melanchthons von Albrecht Dürer (1523), wurde durch zwei Neuerwerbungen ergänzt. Mit Mitteln der Stadt Bretten erwarb man über den Kunsthandel zwei Blätter mit Darstellungen von Friedrich III, der Weise, Kurfürst von Sachsen, sowie von Kardinal Albrecht von Brandenburg hinzu. Die Kupferstiche sind, wie die Melanchthon-Darstellung, 1523 datiert. Sie weisen die höchste Kunstfertigkeit der durch Dürer zur Meisterschaft entwickelten grafischen Technik auf. Die druckgrafischen Porträts von Reformatoren und Humanisten, die enorme Verbreitung fanden, sind der herausragende Beitrag des Nürnberger Künstlers zur bildlichen Popularisierung reformatorischer Ideen.

Friedrich der Weise (1463-1525), Kurfürst von Sachsen, holte Albrecht Dürer zeitweise als Künstler an seinen Hof. Der Fürst galt als frommer Christ, der sich allerdings Martin Luthers Lehren gegenüber aufgeschlossen zeigte. Er wurde zu seinem Schützer und Förderer, wohl auch, um den — neben Philipp Melanchthon — zugkräftigsten Professor an der von ihm 1502 gegründeten Universität Wittenberg nicht zu verlieren. Aus Staatsgründen wahrte er Distanz zum Reformator. Er kam nie mit ihm persönlich zusammen, setzte sich jedoch stets für ihn ein: Er widersetzte sich Luthers Auslieferung nach Rom und erreichte statt dessen das "Augsburger Verhör" (1518), er verwandte sich für die Vorladung des Reformators nach Worms (1521) und bewahrte ihn vor der Verhängung der Reichsacht durch vorsorgliche Inhaftierung auf der Wartburg.

Friedrich der Weise machte sich mit diesem taktischen Handeln zwar nicht zu einem fürstlichen Vorkämpfer der Reformation, förderte aber indirekt deren Ausbreitung. Spätmittelalterliche Frömmigkeit und reformatorische Ideen stellten für ihn am Ende seines Lebens offenbar auch keinen Widerspruch mehr dar. Denn auf dem Totenbett ließ er sich das Abendmahl in zweierlei Gestalt reichen. Dies kam einem Bekenntnis zur neuen Glaubensrichtung gleich.

Ganz anders Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545): Der junge Markgraf schlug früh die kirchliche Laufbahn ein, wurde mit 23 Jahren bereits zum Erzbischof von Magdeburg, bald darauf zum Erzbischof von Mainz erkoren (1514) und 1518 zum Kardinal erhoben. Geistig war er vom Humanismus geprägt, stand Erasmus von Rotterdam nahe und trat für Reuchlin ein. Albrecht von Brandenburg holte neben Grünewald auch Albrecht Dürer an seinen Hof. Dürer porträtierte Albrecht von Brandenburg zwei Mal. Zuerst 1519 und dann nochmals 1523. Die letztere Darstellung entspricht derjenigen auf dem Brettener Kupferstich.

Doch dem allgemeinen Verlagen seiner Zeit nach Reform und Reformation der Kirche, das in ihm einen einflussreichen Vertreter hätte finden können, trug Albrecht keinesfalls Rechnung. Zuerst nahm er zwar gegenüber der Reformation eine konziliante Haltung ein, wurde schließlich aber zu einem scharfen Gegner aller Neuerungen. Mehr noch: Mit seinen Ablassverkündigungen in seinen Sprengeln (1515) trug er zum Ausbruch der Reformation bei. Martin Luther und Kardinal Albrecht von Brandenburg wurden direkte Gegner im Glaubenskampf. Der Reformator warf ihm "Irreführung der Gläubigen" vor und forderte ihn auf, seine "instructio" zurückzunehmen. Doch dieser hielt an seinen Ordnungen fest, verbrannte sogar Luthers Schriften öffentlich. Allerdings: Ein militärisches Vorgehen gegen die Protestanten lehnte er ab.

Es galt ihm trotz allem die Einheit der Kirche zu retten, doch auch die Leipziger Religionsgespräche (1534), an denen auch Philipp Melanchthon teilnahm, führten zu keinem Ergebnis. Schließlich legte Kardinal Albrecht — kurz vor seinem Tod — einen unfangreichen Reformationsentwurf vor, der jedoch nur auf die bekannten kirchenrechtlichen Forderungen zurückgriff.

Philipp Melanchthon — der Reformator und Humanist — präsentiert sich im künstlerischen Bestand des Melanchthonhauses nunmehr zwischen einem der reformatorischen Glaubensbewegung gegenüber offenen Fürsten und einem konservativen katholischen Geistlichen mit humanistischer Geistesbildung. Die drei Kupferstiche Albrecht Dürers spannen den geistesgeschichtlichen Bogen der Reformationszeit auf künstlerisch wie kunsthistorisch höchstem Niveau.
 



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