Kostbarkeit aus den Beständen des Melanchthonhauses: Galaterbrief mit Notizen eines Studenten von Luther


Eine Ausgabe des Galaterbriefes mit einer studentischen Nachschrift aus dem Jahr 1516/1517 ist eine überaus wertvolle Kostbarkeit in der Bibliothek des Melanchthonhauses. Beim Galaterbrief - oder genauer: dem Brief des Apostels Paulus an die Galater - handelt es sich um ein Buch des Neuen Testaments.Martin Luther hat über den Galaterbrief Vorlesungen gehalten. Für seine erste Vorlesung ließ er den Text absichtlich mit weiten Zeilenabständen und breiten Seitenrändern drucken, damit die Studenten in diesem Text handschriftliche Notizen (Glossen) eintragen konnten. Ein unbekannter Student hat diese Ausgabe tatsächlich als Grundlage für die Vorlesung Luthers benutzt und mit Notizen nach Luthers Diktat versehen.

Wenn man die aufgeschlagene Seite genau betrachtet, sieht man, dass der Student zwischen den Zeilen, am Rand und auf der Vortitelseite in sehr feiner Handschrift Notizen gemacht hat. Sehr ordentlich, in geraden Zeilen und ohne einen einzigen Tintenfleck. Einfach faszinierend! Und das mit einer Feder.

Wie viele andere Bücher in der wertvollen Bibliothek des Melanchthonhauses hat auch diese Ausgabe des Galaterbriefs eine eigene Geschichte. Der Name des Studenten ist unbekannt und wer in den vergangenen Jahrhunderten alles im Besitz dieser Ausgabe war, ist auch nicht überliefert. Nach jahrhundertelanger Verborgenheit tauchte die Ausgabe im Jahr 1887 im Antiquariatskatalog von J.M. Heberle in Köln auf. Der Name des Verkäufers war nicht angegeben. Die überraschende Tatsache, dass der Name „Luther“ am Schluss der Vorlesung sehr sorgfältig ausradiert ist, deutet auf einen katholischen Eigentümer hin, der den Besitz zu schätzen wusste, aber einen Grund hatte, den Namen zu tilgen.

Der evangelische Pastor Kraft in Elberfeld hat diesen wertvollen Druck Ende des 19. Jahrhunderts erworben. Nach dessen Tod kam der Druck in die Hände des Berliner Kirchenhistorikers Prof. Nikolaus Müller, der auch Initiator des Melanchthonhauses war. Er hat den Druck 1898 zum Preis von 350 Mark für das Melanchthonhaus angekauft. Der Der Beleg hierfür ist im Original vorhanden. Die Mittel zum Kauf des Drucks hat Nikolaus Müller als Spende von Frau S. Ryhiner aus Basel erhalten. Sie war eine Nachfahrin von Melanchthons Tochter Magdalena und deren Ehemann Caspar Peucer.


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