26.06.2021

Verleihung des Internationalen Melanchthonpreises der Stadt Bretten an den Theologen Dr. Tobias Jammerthal für dessen Dissertation an der Universität Tübingen


Der 12. Melanchthonpreisträger Dr. Tobias Jammerthal und Brettens OB Martin Wolff

Von Melanchthons Abendmahlstheologie zu aktuellen ökumenischen Fragen


Der ökumenische Gedanke begleitete die Verleihung des 12. Internationalen Melanchthonpreises der Stadt Bretten. Die Abendmahlstheologie Philipp Melanchthons ist nicht nur das zentrale Thema der Untersuchung des mit der Auszeichnung bedachten jungen Theologen Dr. Tobias Jammerthal, sondern weist auch auf das bevorstehende große Jubiläum 2030 hin, wenn sich die Herausgabe der Augsburger Bekenntnisschrift zum 500. Mal jährt. Sie hat die Trennung der beiden christlichen Kirchen besiegelt. Hoffnung auf eine Korrektur der Spaltung im Hinblick auf den „großen Schritt des gemeinsamen Weges zum Tisch des Herrn“ ließ Prof. Dr. Günter Frank, Direktor der Europäischen Melanchthon-Akademie Bretten, aufkeimen. Für viele Christen liege hier eine wichtige Grundfrage des Glaubens. Das Votum gelte der Verständigung.
Die wissenschaftlich-theologische Diskussion ist dafür jedoch die Voraussetzung. „Das akademische Leben“ an der Forschungsreinrichtung in Melanchthons Geburtsstadt erwachte bei der wegen der Corona-Regeln reduziert angelegten Feierstunde. Dies erfüllte nicht nur Brettens Oberbürgermeister Martin Wolff mit Freude. Die Redebeiträge und Grußworte waren kürzer als sonst gefasst, doch die Konzentration der Inhalte ließ eine Erleichterung spüren, die Wolff formulierte: „Der soziale Lernort ist nicht zu kompensieren“. Die Begegnung als dessen wichtigster Bestandteil stellte auch Landrat Christoph Schnaudigel heraus, der Bretten für sein wissenschaftliches Engagement lobte, das in der Hinwendung zu Melanchthon durch die Forschungseinrichtung dessen Bedeutung für die Gegenwart mit einbeziehe.
Im Aktualitätsbezug liegt auch die Anerkennung für die Dissertation von Dr. Tobias Jammerthal. Dessen Doktorvater, der Tübinger Professor Dr. Volker Leppin, bezeichnete in seiner Laudatio die Schrift des Preisträgers „Philipp Melanchthons Abendmahlstheologie im Spiegel seiner Bibelauslegung 1520-1548“ als „gedankenvolle Arbeit“, als „dichte Studie“, die die historische Entwicklung des Abendmahlsgedankens anhand von fünf „Etüden“ (Leppin) Melanchthons dargelegt habe, die sich über 30 Jahre erstreckten. Die Untersuchungsergebnisse haben dem Doktorvater drei Fragen zu dem Reformator und Universalgelehrten aus Bretten beantwortet: Melanchthon ist mehr Exeget als Dogmatiker, seine Kontinuität im Denken wurzelt in den biblischen Texten und gemeinsam ist – trotz aller Gegensätzlichkeit – Luther wie Melanchthon ihre biblische Grundlage.
Der enge Bezug zur Bibel kennzeichnet eben jene Hauspredigten Melanchthons, die der Preisträger Dr. Tobias Jammerthal untersuchte. Er stellte in seiner Festansprache auf verständliche wie wissenschaftlich prägnante Weise dar, wie sich die Gattung Predigt entwickelte. Die „Sermones domesticas“ entsprechen für ihn einer Sammlung von Auslegungen Melanchthons, die in rhetorisch eindrucksvoller Weise vorgetragen, die Zeitgenossen faszinierten und deshalb großen Anklang fanden. „Dabei sucht sich Melanchthon seine Themen nicht aus, sondern er greift sie aus den biblischen Textstellen heraus.“ Diese textgebundene Erörterung hatte - nach Ansicht des Melanchthonpreisträgers – großen Einfluss auf die Form der evangelischen Predigt. Schon diese Tatsache sieht er als einen Grund an, sich intensiv mit diesen Schriften Melanchthons zu befassen.
Kirchlicher Dienst und theologische Forschung verbinden sich auch in der Vita des 32-jährigen gebürtigen Karlsruhers. Seine universitären Studien betrieb er in Tübingen, Jerusalem, Durham und Heidelberg. An eine Seelsorgetätigkeit in Großseelheim schließt sich nunmehr eine wissenschaftliche Assistenz an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau an.
Der Internationale Melanchthonpreis der Stadt Bretten wird alle drei Jahre für eine Veröffentlichung im Kontext von Philipp Melanchthons Werk verliehen. Er ist mit 7.500 Euro dotiert.


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