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14.02.2009
Melanchthonpreis 2009 wurde an Theologin Dr. Nicole Kuropka verliehen
Bretten Melanchthonhaus
Der internationale Melanchthonpreis 2009 der Stadt Bretten wurde am Samstag im Rahmen eines Festaktes im Melanchthonhaus von Oberbürgermeister Paul Metzger an die Theologin Dr. Nicole Kuropka verliehen. Damit ging der mit 7500 Euro dotierte Preis, der seit 1988 alle drei Jahre für einen wissenschaftlichen Beitrag zur Melanchthon-Forschung vergeben wird, erstmals an eine Frau. Gewürdigt wird damit Nicole Kuropkas Veröffentlichung „Philipp Melanchthon: Wissenschaft und Gesellschaft. Ein Gelehrter im Dienste der Kirche“.
Mit ihrer Forschungsarbeit, so der Oberbürgermeister Paul Metzger, habe die Preisträgerin einen namhaften Beitrag für das „ökumenische Selbstverständnis Melanchthons geliefert“. Als Theologin der „Evangelischen Kirche im Rheinland“ stehe die Preisträgerin innerhalb der innerevangelischen Ökumene, indem sie in der Einheit der reformierten und der lutherischen Tradition lebe. „Und wie wir heute aus der Forschung wissen“,so das Oberhaupt der Melanchthonstadt in seiner Ansprache, „haben sich in unserer europäischen Geschichte immer wieder jene Gelehrten auf Melanchthon berufen, denen es um eine Einheit der Kirche ging.“
„Für die Einheit der Kirche war Philipp Melanchthon bereit, bis an die Grenzen seines Denkens und Handelns zu gehen“, betonte auch Prof. Dr. Wolfgang Thönissen vom Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn. In seiner Laudatio auf die Preisträgerin Dr. Nicole Kuropka zeigte er sich überzeugt davon, dass die Theologin mit dieser, ihrer Dissertation eine weitere Grundlage für die zukünftige Melanchthon-Forschung gelegt hat.
Einen Einblick in die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit gab die Preisträgerin in ihrer Festrede. „Wahre Gottesdienste statt leerem Geschwätz“, diese Forderung des Reformators und Universalgelehrten aus Bretten stellte sie ihren Ausführungen voran und legte dessen Verständnis von „Gottesdienst“ in komprimierter, jedoch pointierter Form dar: „Das Lesen und Auslegen der Bibel war für Melanchthon nur die eine Seite des Gottesdienstes“, lautete ihre Erkenntnis. „Die andere Seite ist deren praktische Anwendung auf alle Fragen des Lebens. Gottes Wort ist also nicht nur Lehre, sondern Leben.“
Der Direktor der Europäischen Melanchthon-Akademie Bretten, Priv. Dozent Dr. Günter Frank, zog abschließend eine Bilanz der Melanchthon-Forschung und zeigte deren Perspektiven auf:„Die Veröffentlichungen, für die die Melanchthonpreise vergeben werden, sind wie Leuchttürme für die Melanchthon-Forschung“. Aus der Sicht von Dr. Günter Frank ist die Forschung in den vergangenen Jahren geradewegs „explodiert“. Dies führt er nicht zuletzt auch auf die vielfältigen Tagungen, Veröffentlichungen und Projekte zurück, die vom Melanchthonhaus angestoßen und nun in der Arbeit der Europäischen Melanchthon-Akademie ihre Fortsetzung finden. Aus dieser Forschungsbewegung heraus entstanden eine Reihe von weiteren Zentren für die Frühneuzeitforschung in Deutschland. „Hier werden Forscher verschiedener Disziplinen zusammengeführt, die an übergreifenden Zusammenhängen bestimmter Fragen arbeiten. Auf diese Weise wird Melanchthon zum ersten Mal in seiner ganzen Universalität sichtbar“, unterstrich Dr. Günter Frank.
An der Feierstunde nahmen herausragende Vertreter aus Politik und Kirche statt. Grußworte sprachen Regierungsvizepräsident Dr. Klaus Michael Rückert, der Erste Landesbeamte Ralf Schlusche und der Vorsitzende des Melanchthonvereins Bretten Hans-Joachim Reiber. Musikalisch wurde die Veranstaltung vom Duo Confetti Musicale mit Regina Steinbach, Flöte, und Johannes Vogt, Laute, umrahmt.
Die Preisträgerin Nicole Kuropka (geb. 1970) absolvierte ihr Studium in Wuppertal, Bochum und Bonn. Hinzu kam ein Auslandsaufenthalt an der historischen Fakultät der University of Arizona/Tucson (USA). Für ihre Promotionsarbeit an der kirchlichen Hochschule Wuppertal wurde der Theologin der Melanchthonpreis 2009 zuerkannt. Von 2004 bis 2006 hatte die Wissenschaftlerin einen Lehrauftrag für Kirchengeschichte an der Diakonenschule Remscheidt. Seit 2006 ist sie Berufsschulpfarrerin in Düsseldorf. Zudem hat Dr. Nicole Kuropka einen Lehrauftrag für Kirchengeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal übernommen. Hier hält sie Lehrveranstaltungen über Philipp Melanchthon.
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